Literarischer Spaziergang durch Wuppertal-Elberfeld

“Ich bin in Elberfeld an der Wupper in der Stadt der Schieferdächer”.

Mit einem Text der Elberfelder Lyrikerin Else Lasker-Schüler startete die 10b am Freitag, den 22.06.2018, ihren literarischen Spaziergang am Geburtshaus ‘unserer’ Else – Herzogstraße 29.

“… Ich bin verliebt in meine zahnbröckelnde Stadt, wo brüchige Treppen so hoch aufsteigen, unvermutet in einen süßen Garten, oder geheimnisvoll in ein dunkleres Viertel der Stadt.”

Die Worte der Lyrikerin mögen über 100 Jahre alt sein und doch finden sich die SchülerInnen in ihrer Beziehung zu Wuppertal verstanden: “Das bröckelt hier auch heute noch und ständig muss ich Treppen steigen.”

Von der Herzogstraße ging es über das Else-Denkmal am Kasinokreisel herüber zur Stadtbibliothek Wuppertal, bei der ein wirklich hässliches Kapitel der Wuppertaler Literaturgeschichte beleuchtet wurde: Die Giftschränke der Bibliothek und die Bücherverbrennungen während des Nationalsozialismus. Am 1. April 1933 wurden an zwei Stätten in Wuppertal (Brausewerth und Barmer Rathausplatz) Bücher verbrannt – initiiert durch die LehrerInnen und SchülerInnen der örtlichen Oberschulen und ganze sechs Wochen bevor es bundesweite Bücherverbrennungen gab. Eine Dichterin, die beinahe auf jeder Bücherverbrennungsliste landete und sich auch in den so genannten “Giftschränken” der Bibliothek wiederfand war gerade ‘unsere’ Else. Giftschränke waren übrigens Schränke, in denen man die Bücher deponierte, die sich kein Besucher mehr ausleihen durfte.

Anders heute: Nach der Statdbibliothek ging es am Bücherschrank auf dem Laurentiusplatz vorbei, in den jeder seine alten Bücher stellen kann und auch jeder sich beliebig viele Bücher herausnehmen kann. Einige SchülerInnen wurden fündig und so ging es mit gefüllten Taschen zum nächsten Punkt – eher in Wiener Manier – in ein Kaffeehaus: Kakaopause im Café Creme.

Da war auch schon der Großteil der Strecke Richtung Sadowastraße 7 und somit zum ehemaligen Haus der Schülers geschafft, zu dem Else Lasker-Schüler 1910 schrieb:

“Plötzlich stehe ich vor meinem Elternhaus; unser langer Turm hat mich gestern schon ankommen sehen; ich fall ihm um den Hals wahrhaftig.”

Nur einmal um die Ecke gebogen und schon steht man am letzten Punkt des kleinen Spaziergangs: dem Geburtshaus von Armin T. Wegener in der Von-der-Tann-Straße 10. Der Elberfelder machte sich vor allem als expressionistischer Dichter und Schriftsteller für Reiseberichte einen Namen und noch mehr für seinen gelebten Pazifismus. So ist er Mitbegründer des Bundes der Kriegsgegner und gilt heute immer noch als wichtiger Zeuge für den Völkermord an den Armeniern, den er beobachtete und dokumentierte und schließlich auch literarisch verarbeitete.

“Ich habe das Seil meiner Seele über die Berge gespannt.”

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