Ein Leben mit Kopftuch in Deutschland

Im Moment reden wir in Deutschland viel über Rassismus und Diskriminierung. Nicht nur in Amerika, sondern eben auch in Deutschland. Bei Instagram wird beispielsweise gerade das Video von Miriam geteilt. Es gewann in nur 5 Tagen 1 Millionen Aufrufe und wurde in ganz Deutschland gerepostet. In dem Video erzählt Miriam, wie sie wegen ihres Kopftuchs bei einem Supermarkt-Job nicht angestellt wird. Der Supermarkt-Leiter verlangt von ihr das Kopftuch abzuziehen. Ich selbst trage ein Kopftuch und finde so etwas das Allerletzte, dass sie nur wegen ihres Kopftuchs diskriminiert wird – vor allem in so jungen Jahren (Miriam ist erst 16 Jahre alt). Es ist ihr Leben und ihr Glaube.

Ich selbst trage wegen meiner Religion ein Kopftuch, weil ich mich dann näher an meiner Religion fühle. Das Tuch verbirgt einen Teil meines Körpers, womit ich mich viel beschützter fühle. Ich fühle mich damit näher an Gott, als ob er direkt neben mir steht. Ich glaube daran, dass durch die Kopfbedeckung die Engel mich beschützen. Ich trage mein Kopftuch seit 4 Jahren. Ich könnte es nicht mehr einfach abnehmen, weil mich das beschämen würde. Als also Miriam im Supermarkt angesprochen wurde, hätte sie nicht einfach das Kopftuch ausziehen können. Es geht in Deutschland nicht nur Miriam so: Meine Cousine studiert Jura, um für die Gerechtigkeit aller Menschen zu sorgen. Kurz vor Corona kam die Nachricht, dass Frauen mit Kopftuch keine Richterinnen werden dürfen1. Damit sind ihre Träume zerstört und sie muss jetzt Anwältin werden.

Meine Cousine und ich tragen freiwillig das Kopftuch. Ich habe viele Verwandten, die verschleiert sind. Meine Geschwister sind es nicht. Ich selbst habe mich viel mit meinen Kopftuch tragenden Verwandten unterhalten und sie erklärten mir das Gefühl, wie es ist sich so beschützt zu fühlen. Wie dann das Herz aufgeht. Da wollte ich auch ein Kopftuch tragen. Ich war damals 11 Jahre alt und meine Eltern fanden das eigentlich zu jung, wollten mir aber meine Freiheit lassen das zu tun. Sie selbst sind dagegen andere zum Tragen zu zwingen, aber ich kenne auch viele, die dazu gezwungen werden. Die fühlen sich sehr schlecht dabei und wissen nicht, was es heißt das Kopftuch positiv zu tragen. Jede Frau hat selbst zu entscheiden, ob sie einen Schleier tragen will oder nicht – so steht es auch im Koran.

Das Kopftuch hat nicht nur gute Seiten – nicht alle Menschen respektieren es. Ich stand draußen und ein Taxifahrer hupt mich laut an und fängt an laut zu schreien, dass ich eine enge Hose trage und das Kopftuch und das das nicht geht – das war echt gruselig. Seit dem Video von Miriam habe ich außerdem darauf geachtet, wie die Leute gucken und merke immer mehr, dass ich mich einfach daran gewöhnt hatte. Ich selbst habe sehr oft Angst, wenn ich zum Beispiel am Zug in Düsseldorf stehe. Es sind Frauen gestorben, weil sie wegen ihres Kopftuchs vor den Zug geworfen wurden2. In Boston wurde vor Kurzem im Flughafen vor allen Menschen eine Frau mit Kopftuch ausgezogen, weil sie angeblich eine Bombe unter ihren Kleidern haben sollte3. Das haben die nur gemacht, um sie zu blamieren. Ich selbst werde langsam auch panisch, dass mir etwas Schlimmes passieren könnte.

An unserer Schule habe ich das Gefühl, dass es etwas anderes ist, dass ich hier respektiert werde. Mir wurde anfangs auch öfter mal das Kopftuch herunter gezogen. Das waren vor allem Kinder, die wissen wollten, wie meine Haare aussehen. Aber jetzt ist es so als sei das ganz normal – ist es ja auch!

Egal welche Religion oder Hautfarbe: Jeder hat das Recht auf ein friedliches Leben. Wir sollten mehr zusammenhalten, anstatt uns gegenseitig runter zu machen.

Text von: Hajar Chouki El Faddani (8c) | illustriertes Bild zeigt Miriam aus dem Instagram-Video (Kerstin Groth)


1https://www.tagesschau.de/inland/kopftuchverbot-111.html

2https://www.wochenblatt.de/polizei/muehldorf/artikel/251629/frau-ins-gleisbett-gestossen

3https://www.theguardian.com/law/2020/mar/14/metropolitan-police-concede-forcing-woman-to-remove-hijab-wrong

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