Die Q2 entdeckt „Die Marquise von O…“

Im Rahmen der Reihe „Die Marquise von O“ hatten die Schülerinnen und Schüler der Q2 unterschiedliche Möglichkeiten, um den Inhalt der Novelle zu erschließen. Insbesondere die Kooperation mit den Wuppertaler Bühnen war dabei ein großer Gewinn für alle Beteiligten. Im Rahmen der Kooperation konnte durch die Unterstützung von Herrn Taeger nicht nur ein Workshop stattfinden, sondern auch ein exklusiver Besuch im Theater am Engelsgarten ermöglicht werden.

Im Folgenden werden einzelne Eindrücke und Ergebnisse der Reihe vorgestellt.

Ein Theaterworkshop an der Else

Mit der Hilfe von Sylvia Martin von den Wuppertaler Bühnen setzten sich die Schülerinnen und Schüler kreativ mit der Novelle auseinander und fanden so neue Zugänge:

Theaterrezension zum Besuch des Stücks am Engelsgarten

von Zehra Yönlü

 

Das Wuppertaler Schauspiel präsentierte am Dienstag, den 22.09.2020 die von Heinrich von Kleist über 200 Jahre alte Novelle „Die Marquise von O…“ am Engelsgarten. Der Autor Heinrich von Kleist bewegt sich in seinem Werk zwischen den Idealen der Aufklärung und der Romantik. Verspottet wird hierbei die moralische Widersprüchlichkeit der bürgerlichen Gesellschaft, in der eine uneheliche Schwangerschaft eine Schande für die Adelsfamilie ist und das somit ein Ausschluss aus der Gesellschaft bedeutet – natürlich nur, wenn diese nicht im Verborgenen geschieht. Erzählt wird die Geschichte der Marquise von O…, die im Krieg während ihrer Ohnmacht vergewaltigt und schwanger wird – ohne es zu wissen.

 

Die moderne Drei-Personen-Inszenierung mit Madeline Martzelos, Silvia Munzón López und Konstantin Rickert fand zwischen vier Plastikwänden statt. Es gab keine Möglichkeit sich zu verstecken – schließlich geht es um die nackte Existenz der Marquise von O…, einer jungen Frau (Witwe), die vorerst gerettet, dann vergewaltigt und anschließend von ihrer Familie verstoßen wird.

Die Marquise jedoch riskiert ihr Leben, indem sie ihre Familie verlässt. Durch eine Zeitungsanzeige präsentiert sie der Gesellschaft ihre Lage und sucht den Vater des unehelichen (ungewollten?) Kindes. Sie ist bereit den Vater zu heiraten – doch wird die Geschichte so enden, wie sie es sich vorgestellt hat?

In einem ständigen Wechsel der Figuren zwischen den drei Schauspielern kommt es vorerst zur Verwirrung – wer ist wer? Ebenso verändert sich die Atmosphäre. Von einer komischen bis zur dramatischen Situation und von direkter zur indirekten Rede wird ständig gewechselt.

Mithilfe von Lichteffekten, Farbeimern, Techno-Sounds und auch stillen Momenten wurde das Geschehen einem näher gebracht und die ganze Situation wird im Verlauf des Stückes verständlicher. Die komplette Bühne kommt zur Nutzung – es wird getanzt, gesungen, gealbert und gelitten. Romantische Elemente erhält die Geschichte unter anderem durch die Beschreibung von Gefühlen und die Darstellung subjektiver Empfindungen durch Mimik, Gestik und Verbalität.

Die Inszenierung und das Bühnenbild harmonieren stark miteinander. Das Zerreißen der Plastik-Vorhänge und das Verunzieren der Bühne mit Farben sind Symbole für die Verschmutzung und die Niederlage aller Figuren. Die Bühne und die Schauspieler sind beschmiert mit wildem Farbgemisch – es gibt keinen Gewinner, denn alle sind verdreckt. Die Marquise, ihr unerbittlich moralischer Vater, die linke Mutter und auch der Graf F – sie alle sind mit Dreck beschmiert worden.

Ein Interview mit Heinrich von Kleist

Bei der Auseinandersetzung mit dem Autor der Novelle, Heinrich von Kleist, erstellten die Schülerinnen und Schüler Interviews, in denen sie die Rolle Kleists einnahmen und von seinem Leben berichteten:

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