Decolonize Wuppertal

Wenn man darüber nachdenkt, dass wir das Jahr 2022 schreiben und wir immer noch verwirrt darüber sind, warum Menschen nur in der Theorie – nicht aber im „echten“ Leben“ – gleichbehandelt werden, dann lohnt sich manchmal ein Blick zurück in die Geschichte: Woher kommen die Vorurteile und Stereotype? Wann wurde festgelegt, dass Menschen mit verschiedenen Hautfarben vermeintlich „unterschiedlich“ sein? Wann wurde beschlossen, dass es People of Color schlechter haben müssen? Dass sie (Alltags-)Rassismus erfahren?

Vielen würde dabei vermutlich als erstes die Nazi-Zeit einfallen: Hitler und Hitlers Deutschland war bekanntlich antisemitisch und rassistisch und auch heutige Neo-Nazis folgen diesen Vorbildern. Doch Hitler hat den Rassismus nicht erfunden. Nein: Der Rassismus saß bereits in den europäischen Köpfen der Zeit und Hitler konnte diesen einfach „reaktivieren“. Die Europäer:innen waren 1933 schon durch 500 Jahre rassistische Geschichte gegangen, die ihren Höhepunkt im Imperialismus fand. Damals (Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts) eroberten die Staaten Europas die restliche Welt und schufen somit die Grundlage für die heutige Armut und Zerrissenheit in Bürgerkriegen in der modernen Welt – vor allem im globalen Süden.

Während viele vor allem Spanien (Columbus und Südamerika) und Großbritannien (Australien, USA, Indien und Co.) als große „Eroberer“ (oder lieber: „Ausbeuter“?) im Kopf haben, hat auch Deutschland seine eigene Kolonialgeschichte auf der ganzen Welt vorzuweisen. Deutschland beteiligte sich nicht nur, sondern sorgte auch (aus heutiger Sicht) für mehrere Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen. So baute es beispielsweise im heutigen Tansania die ersten Formen von Konzentrationslagern und beging den ersten Genozid (= Völkermord) der deutschen Geschichte an den Herero und Nama. Doch auch im Inland herrschten Verbrechen: So wurden zum Beispiel die so genannten Völkerschauen durch Deutschland getrieben in denen „exotisch“ aussehende Menschen in Käfigen wie Tiere vorgeführt wurden.

Verarbeitet hat man diese Geschichte nur wenig: Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust musste man sich im Gedenken erst einmal um die Verbrechen des Nationalsozialismus kümmern. So blieben viele der rassistischen Kolonialgeschichtsspuren erhalten – auch in unserer Stadt: Abzulesen beispielsweise an Stadt- und Straßennamen oder Denkmälern.

Mit einigen motivierten Schüler:innen der letzten Q2 haben wir uns in unserer Stadt auf die Suche nach diesen Spuren gemacht und einiges gefunden: Den Wuppertal Zoo, der Menschen in Völkerschauen ausstellte und das Grabmal einer jungen Aboriginie, eine Indigene aus Australien, die diese Folter nicht überlebt hat und nun in Vohwinkel begraben liegt. Oder die „Mohrenstraße“, die schon länger in der Debatte steht, da der Begriff heute rassistisch ist. Oder die Togo-Straße in Oberbarmen, die an eine unrechtmäßig erbeutete Kolonie Deutschlands erinnert. Und so weiter…

Da die gefundenen Spuren sehr weit auseinander liegen und nicht in einem Spaziergang oder einer Führung zu Fuß für andere Schüler:innen zu besichtigen wären, haben wir uns überlegt, eine virtuelle Tour zu den Orten zu gestalten, die jede:r bequem von zu Hause aus starten kann. Dafür haben wir 360° Fotos geschossen, in denen man sich frei bewegen kann. Diese werden zusammen mit unseren recherchierten Informationstexten in der ZUM App-Plattform zusammen gestellt, sodass wir am Ende hoffentlich eine für alle einsichtbare virtuelle Tour erstellt haben.

Wir hoffen, dass wir mit diesem Projekt einen kleinen Anteil an anti-rassistischer Bildungsarbeit leisten konnten.

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