Das Bergwaldprojekt – oder auch das Suchspiel in Bäumen, Brombeeren und Sträuchern

Gut gelaunt und aufgeregt starteten am Sonntagmorgen 18 Teilnehmer:innen nach einem ersten Coronatest vor dem Wuppertaler HBF mit der DB in den Pfälzer Soonwald, um tatkräftige Unterstützung für die Umwelt zu leisten. Persönliche Grenzen und Horizonte wollten erweitert werden.

Schon das frühe Aufstehen am Morgen war für viele ungewohnt. So krochen alle noch recht verschlafen aus dem warmen Schlafsack im Zelt ins kühle Morgengrauen. Das leckere Frühstück bereitete uns jedoch sehr gut für den arbeitsreichen Tag vor. Schnell wurden noch die Proviantdosen gefüllt bevor es für uns alle mit dem Bus auf die Arbeitsflächen ging. 

Auf der Fläche standen viele verschiedene Arbeiten an, die uns immer mal wieder vor kleinere Herausforderungen stellten. So schnitten wir Wege frei, um Rettungsfahrzeugen das Befahren der schmalen Wege zu erleichtern. Aber wie fällt man eigentlich einen Baum, so dass er keinem (ob Mensch oder Baum) schadet. An welcher Stelle müssen welche Büsche entfernt werden? Welches Werkzeug benutze ich wie und für welchen Zweck? Mit viel Geduld wurde uns alles sorgfältig erklärt. So konnten wir in Rekordzeit am Ende der Woche einen Tümpel freischneiden und den Lebensraum für viele Tiere zu verbessern.

Am Anfang der Woche wurde uns ein 600 Meter langer Zaun gezeigt, der einst dafür da war kleine Bäume zu schützen. Nach 20 Jahren im Wald, sollte dieser nun abgebaut werden.  Was am Anfang der Woche wie eine Mammutaufgabe aussah, wurde von Tag zu Tag leichter und am vorletzten Tag waren wir sehr glücklich und zufrieden, als der Zaun endlich aus dem Wald verschwunden war. 

Das Freistellen von Tannen in einem Gatter wurde zu einem Suchspiel. Die Brombeeren hatten sich ausgebreitet und störten die Tannen an ihrem Wachstum. Schnell wurde aus dem Finden der Tannen ein Wettbewerb und in Windeseile hatten wir viele Tannen gefunden – so konnten wir sogar den Förster beeindrucken.

Eine kleine Gruppe baute zu Beginn unter der fachkundigen Anleitung von Klaus unserem Förster vor Ort eine unserer beiden Spezialwaldtoiletten fertig.  So eine Toilette ohne Spülung und Klobürste war für viele eine ungewohnte Erfahrung, die bald jedoch ebenso Normalität wurde, wie die aufgestellten Waldduschkabinen die zuerst mit kalten Wasser, dann mit warmen Wasser mit Gieskannentechnik betrieben wurden.

Meditativ wurde es bei unserer vorletzten Arbeit: Dort streiften wir einzeln durch den Wald und suchten nach um die Bäume gewickelten Schälschutzmatten, die einst aufgebracht wurden, um die Rinde vor gierigen Rotwildknabbereien zu schützen. Da diese Aufgabe erfüllt und die Bäume groß geworden sind durften sie von uns mit einigen Schnitten entfernt werden. Die ruhige Bewegung im Wald, die Stille und das gedämpfte grüne Sonnenlicht versetzten uns in glückliches Bewusstsein. Das gute Gefühl wurde dadurch komplettiert, dass die Matten wieder genutzt werden konnten und wir so halfen Geld und Material zu sparen.

Ganz besonders spannend war auch das Arbeiten für ein Schmetterlingsprojekt. So wurden hier unter Anleitung des Schmetterlingsexperten „Baumi“ fleißig Bäume zurückgebunden und Büsche rausgeschnitten, so dass die Schmetterlinge weiterhin viel Platz und Sonne hatten, um sich zu vermehren. Dabei erzählte er uns eine Menge über das Leben, Werden und Sterben der Schmetterlinge. Zaunfalter haben wir hier keine mehr gesehen

Eine erste größere Freude an den Arbeitstagen war das leckere Mittagessen im Wald  – und wenn die Motivation sich dem Ende neigte fanden die Gruppenleiterinnen immer etwas Schokolade, um uns alle bei Laune zu halten. Ein kleines Schläfchen tat sein ügriges. 

Neben dem Arbeiten auf der Fläche standen immer kleine Informationseinheiten an. So bekamen wir einen Borkenkäfer zu Gesicht und wissen nun auch woher dieser Käfer seinen Namen hat und wie er es schafft die Wälder zu zerstören. Gemeinsam gingen wir auf Spurensuche von verschiedenen Waldtieren und natürlich ist uns der Unterschied zwischen Fichte und Tanne bekannt.

Mit einem gewissen Maß an Erschöpfung und Stolz ging es Nachmittags so gegen 16.30 Uhr zurück zu unserem Camp. Neben der Arbeit kam aber auch das soziale Miteinander nicht zu kurz.

Nach der Arbeit und /oder nach dem Essen wurde noch eine Runde Frisbee oder Volleyball gespielt, schnell schlossen sich neue Freundschaften und die Abende wurden am Lagerfeuer bei einer Runde Werwölfe aus dem Finsterwald ausgeklungen.

Das absolute Glück ahnten wir dann abends, wenn Anja unsere Köchin verkündete, was es zum Abendessen gibt. Das waren immer ein aus Salat, Hauptgericht und Nachtisch bestehendes drei- Gänge-Menü. So gab es Linseneintopf, Reiscurry, Spagetti Bolognese, Hirschgulasch Blaubeercreme, Schokopudding und andere Leckereien, die wirklich viele Bergwaldabenteurer in glückliche Fülle versetzten. Warum es trotz der vegetarischen/veganen Essensplanung Wildfleisch gab sollten alle Teilnehmer*innen jetzt erklären können.

Bevor es zurück ins Zelt ging gab es noch einen wunderschönen Sternenhimmel zu sehen, mit Millionen von Sternen samt Milchstraße. Dann wünschten sich allerdings einige müde Häupter Schallschutzmatten, denn das tägliche Waldbaden weckte bei einigen Teilnehmer*innen brachliegende Energien, die sich dann am Abend entluden.

Kurz vor Ende des Projektes gab es die Möglichkeit in einem ehemaligen Erzgrubensee zu baden. Die 18 Grad Wassertemperatur hielt nur wenige davon ab, mal wieder ein Ganzkörperbad zu nehmen. Die Sonne war unser Zeuge.

Bei der Abschlussrunde am letzten Abend war das leckere Essen, die freundlichen Bergwaldmitarbeiterinnen, Baumi, das tägliche Lagerfeuer, die Wald-WCs, der Sternenhimmel und das nette Miteinander oft genannte Aussagen.

Die Rückreise stellte uns Teilnehmer:innen noch vor ein weitere Aufgabe: Bahnstreik! Doch auch dieses wurde dank einiger Eltern schnell gelöst. Nach einer arbeitsreichen aber erfüllten Woche wurden wir von einigen Eltern mit ihren eigenen PKWs abgeholt und ohne Umsteigen und Wartezeiten nach Wuppertal gebracht.

Eins ist sicher: Im nächsten Jahr sind wir wieder mit dabei. Und :

Persönliche Grenzen und Horizonte wurden erweitert! Definitiv.

 

Katja und Olaf

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