Wie rassistisch bin ich eigentlich?

Das ZDF Logo Team dreht einen Bericht zum Thema Alltagsrassismus an der Else

„Linda,  du isst doch bestimmt gerne Kartoffeln? Du bist doch Deutsche, die essen immer gerne Kartoffeln und sehen meistens sogar wie eine aus!“

Von den Schülerinnen und Schülern der Klassen 9e und 9f wurden alltägliche Situationen zum Thema „Rassismus im Alltag“ in kurzen Spielszenen gemeinsam mit der Logo-Reporterin Linda Joe Fuhrich erarbeitet. Linda war aktiv und engagiert dabei. Mit ihren Spielpartnerinnen Amelie und Beatrice machte sie in ihrer Szene deutlich, dass Anfeindungen durchaus jeden treffen können. „Ich mag nicht nur gerne Kartoffeln, weil es eine Sorte gibt, die meinen Namen trägt, sie schmecken mir einfach. Außerdem kommen Kartoffeln ursprünglich aus Amerika!“, so Linda verunsichert.

Wenn von Alltagsrassismus gesprochen wird, denken viele Menschen an Neonazis, die AfD oder pöbelnde Stammtischrunden. Rassistisch sind immer die anderen. Doch stimmt das? Jeder von uns rassistisch – ohne sich dessen bewusst zu sein.

„Das Problem am Alltagsrassismus ist, dass er immer dann kommt, wenn man ihn nicht erwartet“, sagt Dilek aus eigener Erfahrung. Sie ist in Deutschland geboren, ihre Eltern haben einen Migrationshintergrund. Nicht selten erfährt sie Rassismus, schildert sie während der Dreharbeiten, Situationen, die beim Busfahren, in der Bäckerei oder bei Erledigungen auf den Ämtern passieren. „Die unterschwelligen Diskriminierungen, der die  Menschen mit einem nicht-weißen Aussehen hierzulande ausgesetzt sind, erfolgen fast täglich“, ergänzt Zakiya, Freundin und Klassenkameradin von Dilek. Aufgrund ihrer dunkleren Hautfarbe kennt sie die misstrauischen Blicke, wenn sie in einen Raum kommt, die Vorurteile, denen sie ausgesetzt ist,gleichgültig, ob sie einen deutschen Pass hat oder nicht.

Die Jugendlichen haben den Alltagsrassismus entlarvt und begonnen zu erarbeiten, wie man lernen kann, rassismuskritisch zu denken. Allen wurde bewusst, dass einige von ihnen durch ihre Hautfarbe oder Herkunft privilegiert sind: „ Viele haben die Wahl, sich mit Rassismus auseinanderzusetzen. Farbige oder Flüchtlinge haben diese Wahl nicht.“

„Wenn sich Menschen für ihre rassistischen Äußerungen nicht mehr schämen, dann ist es zu spät für ein friedliches Miteinander der unterschiedlichen Kulturen und Religionen“, mahnt Taliya.

Linda und ihr Fernsehteam waren beeindruckt von so viel Offenheit und dem höflichen Umgang der Jugendlichen in der Klasse. Was für eine Frage, schließlich leben und lernen bei uns 47 verschiedene Nationen respektvoll miteinander.

„Schule ohne Rassismus“ ist eben mehr als nur eine Plakette an der Schultür.

Der Bericht wird in Kürze beim ZDF in der ersten regelmäßigen Nachrichtensendung für Kinder präsentiert. Wir sind schon sehr gespannt!

(Text, Fotos: Patrick Taeger)

Kommentarfunktion ausgeschaltet.