Mittelalterliches Wuppertal

„Frau Groth, ich wäre gerne eine Prinzessin gewesen!“ teilt mir Lina mit, während wir die Stufen von Schloss Burg erklimmen. Immerhin sieht das 150 Jahre alte Gemäuer mit seinen Türmchen und Zinnen, den schönen Fachwerk-Erkern und den roten Fensterläden wirklich wie ein kleines Märchenschloss aus. Märchenschloss – Schloss Burg – ja was denn jetzt – „Schloss oder Burg?“, fragt Robin die Führungskraft des begehbaren Museums. Denn im Unterricht hatten wir, die 6d, schon gelernt: Eine Burg dient der Verteidigung wohingegen ein Schloss eher dem schönen Wohnen dient. Gute Frage, meint auch die Führungskraft: Schloss Burg war sowohl eine Burg im Mittelalter (Ende des 12. Jahrhunderts) als auch zwischendurch ein wiederaufgebautes Schloss und als sich dann vor 150 Jahren einige reiche Bürger*innen aus dem bergischen Land zusammentaten, um die alte mittelalterliche Burg nachzubauen, entschied man sich für die Mischung aus beidem: „Schloss Burg“.

Vor 150 Jahren nachgebaut? Richtig, Schloss Burg ist kein „Original“ sondern ein Nachbau von dem, wie man sich im 19. Jahrhundert das mittelalterliche Wohnen vorstellte. Und das betrifft nicht nur den Bau der Burg, wie zum Beispiel den stattlichen 30 Meter hohen Bergfried, sondern auch die Inneneinrichtung: Dort finden sich zum Beispiel Holzvertäfelungen und Parkettboden, wo sonst nur Stein und Wandteppich gewesen wären. Doch trotzdem kann man einiges über das mittelalterliche Leben dort lernen: Zum Beispiel das Bad, Schlafzimmer, Wohnzimmer und Küche der Familien, die die Burg bewohnten, in einem Zimmer zusammenkamen – damit es wärmer ist. Denn als Prinzessin musste man leider frieren. 10-12 Grad ist es durchschnittlich in einer solchen Burg im Jahr. Da überlegt man sich das mit dem Prinzessin-sein natürlich nochmal…

Stattdessen kann man sich lieber für ein Foto an den Pranger stellen oder sich die Familie Berg als Gemälde anschauen – nach denen übrigens das Bergische Land benannt wurde. Oder man bewundert eine der echten mittelalterlichen Rüstungen, in denen ein Ritter ganz schön geschwitzt haben muss. Und zuguterletzt kann man selbst noch eine Runde schwitzen – dann nämlich, wenn man Schloss Burg mit der Seilbahn erklimmt. Fast so gut wie das Phantasialand!

(Text und Fotos: Kerstin Groth)

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